Am 23. April, während des OB-Wahlkampfes veröffentlichte die Badische Zeitung eine von ihr in Auftrag gegebene Umfrage (IM Field GmbH: „Die richtigen Fragen – die Richtigen fragen!“ ) : „Freiburg pro Stadttunnel und Flugplatz“.
Hier Reaktionen zu diesem Beitrag und zu den Aussagen der OB-KandidatInnen
„Stadttunnel“ – fragwürdige Umfragen statt offener Debatte im Wahlkampf
Leserbrief von Gabi Dierdorf und Reinhild Dettmer-Finke
Gegen Ende des OB Wahlkampfs veröffentlicht die BZ in täglicher Taktung fragwürdige Umfragen, die als „repräsentativ“ bezeichnet werden. Am 23.4. war der „Stadttunnel“ dran. Er wird demnach von einer Mehrheit in der Stadt befürwortet, weswegen die kritische Minderheit das endlich zu akzeptieren und zu schweigen habe.
Sind Umfragen das neue Demokratie Tool der BZ? So zuverlässig wie das Aquarell einer romantischen Parkidylle nach dem Tunnelbau? Ganz ohne Störung durch Verkehr, Häuser und Menschen.
Warum wird ein so wichtiges Thema, das eine Richtungsentscheidung für den Gemeinderat für die künftige Stadtspitze und für uns als Stadtgesellschaft bedeutet, mit einer fragwürdigen Umfrage im Wahlkampf abserviert?
Hinter dem harmlosen Begriff „Statttunnel“ verbirgt sich ein Autobahntunnel mit zwei großflächigen Anschlüssen mitten in der Stadt.
Die A860 ist Teil einer leistungsfähigen Fernverbindung entlang der B 31. Es geht nicht um Entlastung im Kleinen, sondern um zusätzlichen Straßenraum für den überregionalen Verkehr. Die A860 bedeutet zusätzlicher Transitverkehr, weitere Belastung für das Höllental und das Umland sowie wachsender Druck auf ohnehin überlastete Infrastrukturen.
Gleichzeitig steht das Projekt im Widerspruch zu den eigenen Zielen der Stadt bis 2035 klimaneutral zu werden. Dazu müssen besonders im Verkehrssektor die CO2 Emission drastisch gesenkt werden. Wie glaubwürdig ist Klimapolitik, wenn gleichzeitig ein Autobahntunnel mitten durch die Stadt unterstützt wird? Ein Bauwerk, das frühestens 2050 fertig sein würde und dessen Finanzierung völlig ungewiss ist.
Freiburg braucht keine erstarkte Transitroute irgendwann, sondern eine konsequente Verkehrswende jetzt. Keine Feigenblatt-Aquarelle für irgendwann, sondern Park-Feeling jetzt: Dazu bitte den Schreiber Park(Platz) entsiegeln. Das hilft gleich und kostet keine Millionen.
Anmerkung zu Aussagen der OB-KandidatInnen zum Stadttunnel
von Otto Wöhrbach
Das Beispiel „Stadttunnel“ ist ein Lehrstück kognitiver Dissonanz: Auf der einen Seite betonen nahezu alle OB-Kandidaten, am Ziel festhalten zu wollen, dass Freiburg bis 2035 – also ein Jahr nach dem Ende der nächsten Amtszeit des OB – klimaneutral sein soll. Zudem erkennen sie völlig richtig, dass die notwendige Verringerung des Ausstoßes von Kohlendioxid aus dem Verkehrssektor dabei eines der größten Probleme bei der Verwirklichung dieses löblichen Vorhabens der Stadt für den Klimaschutz ist.
Auf der anderen Seite wollen alle außer Monika Stein mit dem Bau eines Autobahn-Tunnels mitten durch die Stadt – inclusive zweier Vollanschlüsse mit immensem Platzbedarf! – diesem klimaschädlichen Autoverkehr gleichsam einen grauen Asphalt-Teppich ausrollen. Herr Horn und Herr Wiehle: Merken Sie selber, dass das nicht zusammenpasst, oder?







